Transkript zur 30. Folge (mit Zeitangaben)

Moin Leute, herzlich willkommen zur dreißigsten Folge des Podcasts. In dieser Folge möchte ich auf einen Zuhörerinnenwunsch eingehen. Und zwar hat sich Kee aus den Philippinen gewünscht, dass ich einmal eine Folge über den sogenannten „Kevinismus“ mache. Falls du auch einen Zuhörerinnenwunsch an mich hast, dann schreibe ihn mir gerne an kevpodcasted@web.de, ich werde die E-Mail-Adresse genauso wie alles was ich sage in der Beschreibung dieser Folge verlinken. Und damit starten wir dann aber jetzt auch in die Folge.

(0:49)

Für diese Folge habe ich einen Artikel der deutschen Zeitung „Welt“ mitgebracht und ich werde euch ein bisschen aus dem Artikel vorlesen und dann werde ich auch ein wenig aus meiner eigenen Erfahrung als Kevin sprechen. Also der Podcast heißt ja „Deutsch mit Kev“ und wie sich wahrscheinlich jeder von euch denken kann, ist mein voller Name Kevin. Und ich habe auch Erfahrungen mit dem Phänomen des Kevinismus gemacht und finde es auch nicht ganz leicht über dieses Thema zu sprechen (um ehrlich zu sein) aber eins nach dem anderen1, erstmal der Artikel.

(1:34)

Die Welt schreibt: „Wie Namen die Zukunft von Kindern beeinflussen“. Mandy, Peggy, Justin, Kevin, alles klar. Die Kinder kommen aus der Unterschicht, denn vor allem dort werden angloamerikanische Namen vergeben. Kevinismus heißt das Phänomen, das die Wissenschaft mittlerweile bestätigt hat. Sag mir wie du heißt und ich sag dir, was du bist. Eltern aus der sogenannten Unterschicht, also der Schicht in der Gesellschaft mit wenig Geld (um es mal einfach zu sagen) geben ihrem Nachwuchs am liebsten Namen wie Mandy, Peggy, Justin oder Kevin. Ein bloßes Vorurteil oder sozialwissenschaftlich begründbare Wirklichkeit? Diese Frage kursiert derzeit in Internetblogs genauso wie auf den Couchsesseln diverser Fernsehsendungen oder in Darbietungen2 bekannter Kabarettisten3. Eine allseits 4anerkannte, aussagekräftige Statistik zu diesem Thema gibt es bisher noch nicht.

(2:58)

Und dazu muss ich sagen, dieser Artikel ist von 2008. Ich werde gleich noch einmal recherchieren und falls es eine Statistik gibt, werde ich sie in der Beschreibung nachreichen. Aber weiter mit dem Artikel. Die Alltagswahrnehmung scheint zu bestätigen, in den Plattenbausiedlungen5 dieses Landes laufen überdurchschnittlich viele Kinder mit amerikanischen Vornamen herum. Auch die Soziologie hat das Phänomen bereits benannt. Kevinismus oder weiblich Chantalismus nach den zwei lange Zeit beliebten ausländischen Vornamen Kevin und Chantal. Auf einer satirischen Internetseite werden die Bezeichnungen als krankhafte Unfähigkeit, menschlichem Nachwuchs menschlichen Namen zu geben definiert. Sag mir wie du heißt und ich sage dir, was du bist.

(4:02)

Okay und hier unterbreche ich einmal den Artikel und ich möchte jetzt einmal meine eigene Erfahrung mit diesem Phänomen und diesen in eine Schublade gesteckt zu werden teilen und meine Sichtweise, was ich davon halte und wie ich das wahrgenommen habe. Denn ich bin auf diese Art und Weise in doppelter Hinsicht benachteiligt, weil ich mit vollem Namen Kevin Meyer heiße und Meyer ein Name ist, der sich auf Eier reimt, was in meiner Grundschulzeit sehr lästig war. Also es gab öfter Kinder, die gesagt haben: „Kevin Meyer springt vom Dreier auf die Eier 6 “ oder Ähnliches. Also in meiner Grundschulzeit war mein Nachname in gewisser Weise eine Last und dann später als dieses Phänomen des Kevinismus bekannt wurde, wurde ich halt von unterschiedlichen Menschen als quasi dumm in eine Schublade gesteckt7, nur weil mein Name Kevin ist.

(5:15)

Und ja, ich will ehrlich gestehen, ich finde es absolut dumm, Menschen aufgrund eines Namens in eine Schublade zu stecken und ich kenne genug Leute, die aus einer tieferen Schicht kommen, mit weitaus unauffälligeren deutschen Namen wie, ja, keine Ahnung, Tobias oder Dennis. Und für mich ist dieses ganze Phänomen ziemlich ärgerlich, weil ich konnte mir meinen Namen natürlich nicht aussuchen. Und ich finde es schade, dass so viele Menschen sich dazu hinreißen lassen, andere Menschen aufgrund eines Namens zu bewerten.

Also ich fand es teilweise sehr anstrengend, wenn Leute meinten, sie wären witzig, nur weil sie sich irgendwie über meinen Namen lustig gemacht haben. Genau, mir fehlen so ein wenig die Worte auch gerade, weil dieses ganze Phänomen in meinen Augen einfach echt, ja, unglücklich gekommen ist. Ich hoffe, du konntest der Folge etwas abgewinnen und eventuell das ein oder andere neue Wort lernen. Bis zur nächsten Folge, dann hoffentlich wieder mit einer positiveren Sache. Bis dann, hab eine schöne Woche und tschüss!


  1. „Eins nach dem anderen“ bedeutet, Dinge nacheinander zu machen bzw. zu erledigen. ↩︎
  2. Darbietung = eine Aufführung oder Vorführung von etwas ↩︎
  3. Ein Kabarettist ist ein Künstler, der auf einer Bühne auftritt. Er macht Programme, die lustig sind, aber oft auch zum Nachdenken anregen ↩︎
  4. allseits = bei allen Menschen ; überall ↩︎
  5. Eine Plattenbausiedlung ist ein Wohngebiet mit meist in Serie gefertigten Großwohnhäusern aus vorgefertigten Betonplatten. ↩︎
  6. „Eier“ ist ein umgangssprachliches Synonym für Hoden ↩︎
  7. „Jemanden in eine Schublade stecken“ bedeutet, dass man über eine Person oder eine Sache schnell urteilt, ohne sie richtig kennenzulernen. ↩︎

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